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70 Pinguine im Gänsemarsch- Meine Erlebnisse als Servicemitarbeiter

23. August 2018

Von oben muss es ganz schön lustig ausgesehen haben: 70 Kellnerinnen und Kellner, die in einer Art Polonaise durch die ansonsten menschenleere Rhein-Mosel-Halle liefen; ein Schülerlotse, der mit ganzem Körpereinsatz den Verkehr regelte und gut 1000 unsichtbare Gäste, von denen jeder einen ebensolchen Teller serviert bekam.

 

Ich war die Nummer 21 in der Reihe und neu im Service der Rhein-Mosel-Halle. Irgendwie kam ich mir reichlich albern vor da mitzumachen. Ich bin doch kein Schauspieler! Aber es war ja auch kein Theater, sondern die Generalprobe für eine Großveranstaltung der besonderen Art: Die WHU aus Vallendar würde hier in Kürze ihre Absolventen feiern; richtig groß und chic mit Sektempfang, 3-Gang-Menü und anschließender Party im Koblenzer Schloss.

 

Wie man Gäste bedient, das wusste ich aus den anderen Betrieben der Einstein Gastronomiegruppe, wo ich im a la carte-Geschäft als Servicekraft arbeite. Das hier war jedoch eine völlig andere Hausnummer: Gut 1100 Gäste gleichzeitig zu bedienen, bedeutete im Vorfeld: 1100 Servietten falten, 1100 Teller und 2200 Gläser auf den Tischen platzieren und dazu noch 5500 Besteckteile, von denen jedes einzelne akkurat ausgerichtet sein wollte. Und die beiden Veranstaltungsleiter entdeckten wirklich jede Ungenauigkeit.

 

Die Veranstaltung selbst begann mit dem Sektempfang. Ein Tablett mit zwölf bis fünfzehn Gläsern zu koordinieren, ist für mich eigentlich kein Problem. Doch zwischen so vielen Leuten, die sich angeregt unterhalten und dabei schon einmal unvorhersehbare Bewegungen machen, wurde selbst das zur Herausforderung. Und als sich dann noch ein Gast unbemerkt von hinten näherte, um ein Glas Orangensaft zu nehmen, war das Malheur nicht weit, Ups! – Mit Mühe konnte ich alles im Gleichgewicht halten. Noch mal gut gegangen!

 

Ich war für die Betreuung von etwa 50 Gästen zuständig. Klar, jeder mochte als Erster an der Reihe sein, aber das geht nun mal nicht. Durch meine Arbeit im Restaurant wusste ich, wie ich damit richtig umgehe: Ruhe bewahren, nicht hetzen und vor allen Dingen: Dem ungeduldigen Gast signalisieren, dass man ihn bemerkt hat und gleich für ihn da sein wird. Ein Lächeln wirkt da wahre Wunder!

 

Dann ging es los mit dem Schicken des Menüs:  Vorweg gab es ein aufgeschlagenes Wildkräutersüppchen. Der Hauptgang bestand aus Rosa Roastbeef an Kartoffelgratin und Bohnengemüse mit Rotwein-Schalotten-Jus. Vegetarische Gaumen wurden mit einem Zucchinischiffchen auf mediterranem Gemüse verwöhnt. Die Kunst beim Servieren: So schnell zu arbeiten, dass alle Gäste den jeweiligen Gang möglichst gleichzeitig genießen konnten.  Aber auch die Optik musste stimmen: Schließlich sollte das alles ja elegant und nicht gehetzt aussehen. Jetzt zahlte sich die Trockenübung aus!

 

Als Nachspeise gab es übrigens Brownies an Butterkeks-Eis. Hm, lecker. Davon hätte ich gerne gekostet, aber – nun ja, ich muss ja nicht alles verraten …

 

Für die Gäste ging es danach im kurfürstlichen Schloss weiter: Party bis in den Morgen, hieß die Devise. Gerne hätte ich ein wenig Mäuschen gespielt, aber dafür war keine Zeit. In der Rhein-Mosel-Halle musste schließlich noch abgeräumt, gespült und poliert werden. Als der Morgen graute, war die Party auch für mich und meine Kollegen vom Service zu Ende: Feierabend, endlich – aber es hat Spaß gemacht!